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Hannover: Flüsse sollen wieder natürlich fließen – Forschung an der Universität
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Fakultäten-Serie Hannover: Flüsse sollen wieder natürlich fließen – Forschung an der Universität

Früher waren Flüsse Abenteuerspielplätze für Kinder. Dann kam die Industrie und mit ihnen die Begradigung vieler feuchter Hauptverbindungswege zwischen Städten: Doch der Schiffverkehr wird unbedeutender – und die Suche nach guten Renaturierungsmaßnahmen beginnt. Auch an der Universität Hannover.

GERADE IST NICHT IMMER GUT: Christian Albert erforscht, wie Flüsse sinnvoll wieder natürlicher gestaltet werden können.

Quelle: Foto: Wallmüller

Hannover. Mehr als 28 000 Studenten, 326 Professoren und neun Fakultäten – Hannover ist Universitätsstadt. In einer Serie stellt NP-Redakteur Sebastian Scherer verschiedene Institute vor. Und lässt die Professoren erklären, wie ihre Forschung die Welt ein Stückchen besser machen soll. In Folge 8 besucht Sebastian Scherer die Fakultät für Architektur und Landschaft.

Der Eisvogel zum Beispiel. Er hat besonders gelitten, damals, als viele Flüsse begradigt wurden. Sein natürliches Reservoir – weggestampft, die Lebensräume wurden weniger. „Im vergangenen Jahrhundert gab es gute Gründe, Flüsse für den Schiffsverkehr zu begradigen“, sagt Christian Albert, Juniorprofessor für Landschaftsplanung und Ökosystemleistungen. Zu der Zeit hatte kaum jemand Rücksicht auf die Ökosysteme genommen, die davon beschädigt wurden, und auch nicht auf Eisvögel. „Inzwischen ist das anders – zum einen werden viele Flüsse gar nicht mehr als Transportwege genutzt, zum anderen hat der Umweltschutz einen ganz anderen Stellenwert“, sagt der 36-Jährige.

Wie Flusslandschaften unter diesen neuen Rahmenbedingungen nachhaltig entwickelt werden können, erforscht Christian Albert zurzeit mit seinem Team in der Forschungsgruppe „PlanSmart“. Das fünfjährige Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das Ziel: neue Gestaltungsoptionen für Flusslandschaften zu entwickeln, die auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren und zugleich viele Vorteile für die Natur und die Menschen bewirken, etwa Wasserqualität und –versorgung sichern, Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten und Naherholung. Konkret arbeitet die Forschungsgruppe an der Lahn in Hessen.

Wegen der Rückstufung des Flusses zur Nebenwasserstraße und dank des gerade erst verabschiedete Bundesprogramm „Blaues Band“, das Flüsse durch Renaturierungsmaßnahmen ökologisch vernetzen will, eröffnen sich neue Gestaltungsmöglichkeiten – zum Beispiel für den Hochwasserschutz. „Wenn wir mit Landwirten vor Ort zusammenarbeiten, könnten landwirtschaftliche Flächen so genutzt werden, dass sie Hochwasser zurückhalten, etwa durch angepasste Bodenbearbeitung und die Einrichtung von Grünstreifen. Zugleich können wir versuchen, dem Fluss in geeigneten Bereichen durch die Revitalisierung von Auen wieder mehr Platz einzuräumen“, erklärt Albert.

Dadurch werden Gebiete auch optisch aufgewertet und dies wiederum erschließt sie für andere Formen der Naherholung, bei denen dem Naturerlebnis mehr Bedeutung zukommt. Für einige Regionen könnte das ein Tourismusfaktor werden.

Die Mitglieder des Forschungsteams kommen aus der Umweltplanung, aber auch aus Ökologie, Ökonomie, Soziologie und den Politikwissenschaften – „man kann nicht einfach Flüsse verändern, da sind viele Interessen zu berücksichtigen, mögliche Auswirkungen abzuschätzen. Es sind unterschiedliche Akteure beteiligt, die voneinander lernen können und kooperieren müssen.“

Das Team erstellt nun Karten, die zeigen, welche Bereiche sich wie umgestalten ließen und welche Auswirkungen das hätte. Regionen könnten zum Teil richtig Geld sparen, wenn sie mit Flüssen und Flusswasser anders umgehen. „Gesunde Flussauen tragen nicht nur zur Verminderung von Hochwasserrisiken bei, sie bewirken auch viele weitere positive Effekte wie die Bildung von Grundwasser, die Speicherung von Kohlenstoff, die Sicherung seltener Lebensräume für Tiere und Pflanzen und die naturbezogene Erholung.“ Und bieten vielleicht wieder mehr Lebensräume für den Eisvogel. Der inzwischen nicht mehr stark gefährdet ist. Aber weiter als besonders schützenswert gilt. Die Aussichten sind gut.

Von Sebastian Scherer

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