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Hannover: Kreuzband-OP live übertragen
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Sportmedizin Hannover: Kreuzband-OP live übertragen

Innenansichten eines Knies: Im Henriettenstift verfolgten rund 150 Zuschauer, wie ein OP-Team im Friederikenstift einem verletzten Hobbyfußballer ein neues Kreuzband einsetzte - spannend, unterhaltsam, informativ.

ANSAGE  VOR DEM  EINGRIFF: Der Operateur, Professor Helmut Lill (oben auf dem Flachbildschirm im OP-Kittel), erklärt, wie die Kreuzbandoperation im Friederiken-stift ablaufen soll. Die Zuschauer der Live-Übertragung stehen im Atrium des Henriettenstiftes.

Quelle: Petrow

Hannover.  So unterhaltsam kann Chirurgenarbeit sein: „Jetzt seht ihr wieder Schneegestöber“, beschreibt Professor Helmut Lill gegen 17.55 Uhr die Lage im linken Knie seines 43-jährigen Patienten.

Auf dem großen Flachbildschirm im Atrium des Henriettenstiftes sehen 150 Zuschauer, wie eine Art silberner Wurm mit Leuchtkopf durch eine wattebäuschchenähnliche Substanz kriecht. Es britzelt und der Laser leuchtet, als Operateur Lill mit dem Spezialgerät störendes weißes Gewebe entfernt – „Schneegestöber“ am Kniegelenk. Abschnitte werden zeitgleich abgesaugt.

„Der Klassiker“ nennt Chefarzt und Klinikleiter Lill den Eingriff, den er mit seinem Team in einem OP-Saal des Friederikenstiftes ausführt. Es ist seine dritte Kreuzband-OP des Tages. Nahezu unblutig, minimal invasiv – gearbeitet wird durch vier kleine Einschnitte.

Zunächst basteln sich die Mediziner ein Ersatz-Kreuzband. Dazu wird ein etwa 30 Zentimeter langes Stück Sehne aus dem rechten Bein des Patienten entnommen. „Die braucht man beispielsweise für Kniebeugen. Davon gibt es mehrere. Man kann problemlos eine entfernen ohne dass der Sportler beeinträchtigt wird“, erklärt Lill. Aus der 30-Zentimeter-Sehne wird – vereinfacht beschrieben – ein Sechs-Zentimeter-Kreuzband gefaltet.

Der routinierte Chirurg moderiert locker, konzentriert, mit Humor – und, was am wichtigsten ist – auch Laien verstehen, was das OP-Team tut. Inzwischen werden mit einer sogenannten rotierende Fräse Reste des gerissenen Kreuzbandes entfernt. „Wir arbeiten hier mit modernster Technik“, schwärmt Lill.

Da herrscht auf dem Bildschirm schon wieder „Schneegestöber“. Mit einem Acht-Millimeter-Bohrer werden Ober- und Unterschenkel durchbohrt. Dann setzt Lill ein ganz besonderes Werkzeug ein – „das ist so gut, so nett, so schön – wir haben es Liebling genannt“. Gemeint ist ein Fadengreifwerkzeug.

Unter anderem damit ziehen die Mediziner das Ersatz-Kreuzband durch die Bohrlöcher ein und verankern es. Um 18.13 Uhr sagt Lill: „Top verspannt. Das sitzt bombenfest.“ Operation gelungen, Chefarzt zufrieden.

Genau wie die Zuschauer. Für die gabs nach der OP einen Talk mit Fachleuten, unter anderem mit 96-Aufsichtsrat Martin Andermatt und 96-Physiotherapeut Ralf Blume – moderiert von NP-Marketingchef Christoph Dannowski.

Von ANDREAS KÖRLIN

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